„Mein Kind soll glücklich sein, aber auch rechnen lernen“

05.02.2019 NRD.de

„Mein Kind soll glücklich sein, aber auch rechnen lernen“

Mühltal.- Sehr gut besucht war der Tag der offenen Tür in der Wichernschule mit den Förderschwerpunkten geistige, körperlich-motorische Entwicklung und Lernen am Samstag, den 2. Februar. Zwischen 9 und 12 Uhr fanden viele Interessent*innen den Weg in die Schule, die in diesem Jahr auch ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

In zwei Blöcken gab es Gelegenheit, am Unterricht teilzunehmen – ein Angebot, das rege genutzt wurde. Grund- und Mittelstufe sowie Haupt- und Berufsorientierungsstufe (BO) boten Einblicke in ihren Unterricht. Dabeisein konnte man u.a. bei Mathematik, Deutsch, Holzbearbeitung, Musik, Sachunterricht und beim Morgenkreis. Die BO-Klassen beschäftigten sich mit den Themen Freizeit und Haushalt.

In allen Gängen herrschte reger Betrieb, es gab Infostände zu vielen Themen – und alle Lehrkräfte waren gesprächsbereit. Schulleiter Sven Loewenhardt und Konrektorin Silke Boysen führten etliche Gespräche mit Eltern, deren Kinder im Sommer eingeschult werden, unter ihnen auch eine Familie aus Ober-Ramstadt. Ihr Sohn hat das Down-Syndrom und besucht derzeit noch den Kindergarten. Die Grundschule, in deren Einzugsgebiet die Familie wohnt, gab den Eltern den Rat, ihr Kind an der Wichernschule anzumelden. Die Voraussetzungen für eine inklusive Beschulung seien derzeit noch nicht gegeben, so die Begründung.

Darf das so sein? Was ist mit dem Rechtsanspruch auf inklusiven Unterricht an Regelschulen?  „Die Grundschule muss Ihr Kind aufnehmen, wenn die räumlichen und personellen Voraussetzungen gegeben sind. Der Elternwunsch muss dabei berücksichtigt werden.“, erklärte Silke Boysen ihrer Gesprächspartnerin. Ermutigend klingt das nicht. „Ich will in erster Linie, dass unser Sohn glücklich ist“, sagte Claudia Kabel, „aber ich wünsche mir auch, dass er rechnen lernt. Wird er das denn in der Wichernschule lernen?“

„Ob er Rechnen oder Lesen und Schreiben lernen kann, hängt von seinen persönlichen Lernvoraussetzungen ab“, erläuterte Sven Loewenhard. „Unser Anspruch ist es, jedes Kind individuell zu fordern, zu fördern und bei der Entwicklung seiner Persönlichkeit bestmöglich zu unterstützen. Aber wir weisen Eltern immer darauf hin, ihre Erwartungen nicht zu hoch zu stecken“. Wie bei jedem Kind darf man auch bei Kindern mit Beeinträchtigungen auf deren Entwicklung gespannt sein, sollte aber nicht von vorne herein Ziele festlegen. Kinder sind immer gut für Überraschungen. Auch über Schülerinnen und Schüler der Wichernschule gibt es viele erstaunliche Entwicklungsgeschichten zu berichten.

Zehn Jahre nachdem die Bundesrepublik Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet hat, sind wir hierzulande von einer gleichberechtigten Teilhabe noch weit entfernt, und hinsichtlich der schulischen Inklusion leider auch sehr unterschiedlich weit in den einzelnen Bundesländern. Besonders hohe Inklusionsquoten an Schulen weisen Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein auf, während Hessen und Bayern zu den Schlusslichtern gehören.

In den Startlöchern
Die Wichernschule ist seit Jahren darauf vorbereitet, Inklusionsschule zu werden. Geplant ist, inklusiven Unterricht ab der 1. Grundschulklasse aufbauend anzubieten. Derzeit ist die NRD mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg zum Thema Umbau bzw. Neubau der Schule im Gespräch. Längst platzt die Schule mit 135  Kindern aus allen Nähten und unter den derzeitigen räumlichen Bedingungen können die Pläne des gemeinsamen Lernens und Lebens von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen nicht umgesetzt werden.

Bildtext:
Viele Gespräche mit Interessierten Eltern führte die Schulleitung der Mühltaler Wichernschule am Vormittag der offenen Tür. Unser Bild zeigt von links Konrektorin Silke Boysen, Rektor Sven Loewenhardt und Claudia Kabel aus Ober-Ramstadt.

Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie

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